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Alt 07.01.2016, 13:52
Spreetech Spreetech ist offline
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Standard Wiedereinstieg im Sommer 2015

Hallo liebe Surfgemeinde,

in meinem letzten Eintrag habe ich geschildert, wie ich zum Surfen gefunden habe, warum mich der Sport in seinen Bann gezogen hat (das hätte ich euch bestimmt nicht erklären müssen) und weshalb ich ihn nicht fortführen konnte.

Nach ca. 25 Jahre war es im letzten Jahr soweit. Meine Kinder (12+14) sind jetzt groß genug, um die Segel halten zu können und finanziell hatte ich auch Freigabe von oben (meine Frau). Starten wollte ich im Sommerurlaub in Schweden. Nach ersten Recherchen war schnell klar: Auf Verdacht 2 Boards, diverse Rigs und Neos zu kaufen, überstieg bei Weitem mein eingeplantes Budget. Also habe ich ebay-Kleinanzeigen beobachtet was es gebraucht in der Gegend so gibt.
War nicht so einfach eine Komplettausrüstung mit ordentlich Volumen zu finden. Durch meine Erfahrungen mit meinem damaligen 110L-Board bin ich ja ein gebranntes Kind und dazu inzwischen vollschlank.
War nicht mehr lange hin bis zum Urlaub, da bot sich endlich die Gelegenheit und ich kaufte ein F2 Stratos (310cm, 65cm, 145L) mit 3 Segeln (7,5-6,3-5,4), Trapez und ein Shorty-Neo. Nachträglich noch ein 4m2-Rig besorgt, so ging es nach Schweden. Glücklicherweise hatten wir uns entschieden, unseren Caddy weiter zu fahren bis er tot ist, so dass der Transport mit Dachgepäckträger kein Problem war.
Wir fahren seit Jahren nach Südschweden, haben da ein Ferienhäuschen. An der Ostsee ist man in 30min, der nächste See ist 20min entfernt. Das Jahr zuvor war es sehr windig gewesen und auch 2015 ließ uns der Wind nicht im Stich.
Gleich am ersten Tag ging es dann zum See, Windrichtung (laut Windfinder) passte für die Badestelle. Temperaturen waren nicht so doll, so dass wir allein an der Badestelle waren. Um vorweg zu greifen: Das war auch gut so, denn nach einer Stunde haben wir wieder eingepackt, wäre mit Publikum unangenehm gewesen. Der Wind war sehr böig (kleiner See) und der See kein Stehrevier. Ich dachte zwar das wird schon gehen, zieht man das Segel halt hin und wieder hoch. Aber die Kinder haben sehr schnell die Lust verloren und für mich war das Board auch viel zu kipplig. Mehr als ein paar Meter hin und wieder zurück habe ich nicht geschafft.
Glück oder Vorsehung, ein Local (Wasserskifahrer) war dann doch da und erzählte uns, dass er zufälligerweise eine Woche zuvor das erste Mal Windsurfen war. Der Spot sollte gar nicht so weit weg auf Öland sein und angeblich zu den besten Spots in Schweden gehören. Hoffnung flimmerte auf!

Also ging es bei nächster Gelegenheit nach Haga Park auf Öland mit 45min Fahrzeit (ist für schwedische Verhältnisse um die Ecke).
Infrastrukturmäßig wirklich Top. Ausreichend großer Parkplatz direkt an einer auch ausreichend großen Wiese, keine 100m vom Wasser entfernt. Parkplatz und Wiese gehören zu einer Surfstation, Zugang ist nur Surfern erlaubt. Kiterbereich war nebenan und abgegrenzt zum Surfbereich. Boards ab 160l abwärts mit Rigs ab 3,5m2 konnte man dort für 40€/4h mieten (Sind das normale Preise?)
Dort angekommen hat es vielleicht 15min gedauert bis wir mit 2 Boards auf dem Wasser waren.
Im Wasser findet man ein großes Stehrevier mit schönem sandigen Untergrund (ohne Graswiesen) vor. Allerdings kommt der Wind meist auflandig und erzeugt bei 15kn Wellen bis ca. 50cm in kurzen Abständen. Sehr unangenehm wenn man auf dem Brett steht und das Segel hochziehen will.
Mein Fokus lag auf meinen Kindern, möchte mir Begleiter für zukünftige Surf-Session heranzüchten. Meine Tochter (12) hat sich dabei besser angestellt als mein Sohn (14). Am 2. Tag ist sie schon regelmäßig ein paar Meter gefahren und am 3. Tag hat die erste Wende geklappt. Mein Sohn war zu ungeduldig und verkrampft. Ich hoffe, er wagt dieses Jahr noch mal einen Anlauf am Salzhaff oder Suhrendorf bei dann hoffentlich deutlich besseren Anfängerbedingungen.
Ich bin zwischendurch immer wieder ein paar Stiche gefahren. Für mehr als 20min am Stück hat die Kraft und Kondi aber eh nicht gereicht.
Der Unterschied zu den neuen breiten Boards ist riesen groß. Beachstart hat auf Anhieb wieder geklappt und gezwungenermaßen habe ich auch schnell das Trapez wieder genutzt, weil einfach die Kraft gefehlt hat das Segel länger zu halten. Die sehr wackligen Anfängerhalsen habe ich am Ende zu 50% gestanden. Problem hat mir das starke Anlufen gemacht.
Im Nachhinein würde ich sagen, dass die Gabel zu tief saß. Ich hatte ja zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung vom Trimmen, das einzige was ich noch wusste war „Mehr Wind – weniger Bauch“, „weniger Wind – mehr Bauch“. Aber dass man den Bauch auch über die Vorliekspannung trimmt habe ich erst später mitbekommen, geschweige denn was das mit dem Loose-Leech auf sich hat.
Spätestens nach dem 2. Surftag war klar, dass ich mit meinem alten Material nicht weit kommen werde. Als dann auch noch alle Leih-Bretter vergriffen waren, habe ich die Not zur Tugend gemacht und im Surfcenter eine Viper75 mit 160L und gleich noch einen Neo-5/4 dazu gekauft.
Mit einer kurzen aber rasanten Gleitfahrt am letzten Surftag (immerhin insgesamt 5 halbe Surftage) konnte ich den Wiedereinstieg für mich positiv abhaken und war zuversichtlich, dass ich mit dem neuen Material, Daheim auf heimischen Gewässern, weitere Fortschritte machen kann.

Ausgaben beliefen sich bis dahin auf ca. 2000€ (Gebrauchtmaterial, neues Board, Neo, Leihgebühren). Dabei sollte es nicht bleiben. Mehr dazu und wie sich die Surferei zu Hause weiterentwickelt hat dann im nächsten Post.

Empfehlung für Ein- und Wiedereinsteiger: Surfspot mit Stehrevier suchen und anfängergeeignetes Leihmaterial verwenden. Mit Unterstützung eines erfahrenen Surfers oder Kurs ein paar Tage am Stück üben. Erst dann entscheiden welches Material, auch möglichst langfristig, geeignet ist. Je nach Gewicht, Talent und Homespot kann es da große Unterschiede geben. Am Ende leidet sonst der Spaßfaktor und der Geldbeutel wird unnötig belastet.
Damit man die Tage auch körperlich übersteht, ist es, gerade bei älteren Jahrgängen, sehr wichtig sich darauf vorzubereiten damit man die schönen Momente und nicht die schmerzenden Knochen in Erinnerung behält. Also mindestens 4 Wochen vorher anfangen, täglich 20min was für die Arme, Schultern, Bauch und Rücken zu machen. Man muss da nicht mal ins Schwitzen kommen

Apropos ältere Jahrgänge, mir wird immer bewusst, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, wenn ich bei Eingabe des Jahrganges sehr weit runterscrollen muss.
Glücklicherweise hat mir in öffentlichen Verkehrsmitteln noch niemand einen Platz angeboten. Vielleicht ist das aber kein Argument weil die jungen Leute das eh nicht mehr machen.


Gruß
Andreas
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