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DrMorewind
29.01.2006, 15:15
..oder der Versuch einer Antwort auf die Frage: Wie wird man zu einem fanatischen Windsurfer?

Meistens fängt alles schon sehr früh an. Meine Eltern fuhren schon in den 70èr Jahren mit mir jedes Wochenende von Dresden aus an den Schwielochsee im Spreewald, an dem wir einen Dauercampingplatz hatten. Ein Eigenbaumotorboot mit immerhin fast 50 PS war auch vorhanden. So kam es, daß ich so manchen Tag komplett auf dem Wasser verbringen mußte. Die sportlichen Tätigkeiten beschränkten sich aber auf das einholen und aufwickeln der Wasserskileinen. Irgendwann wurde dann das Wasserskifahren auf dem See verboten und demzufolge das Boot verkauft.
Also fing mein Dad mit "Brettsegeln" an, wie es damals in der DDR genannt wurde. Zu kaufen gab es damals solche Trendsportgeräte freilich nirgends. Demzufolge wurde selbst gebaut. Die Bretter machten ihren Namen alle Ehre, denn die bestanden aus Sperrholz. Die extrem saugfähigen Segel wurden ebenfalls selbst genäht. Zu jener Zeit interresierte mich das alles noch herzlich wenig, denn ich hatte von Opi ein Schlauchboot bekommen. Angeln und paddeln über den See fand ich toll. Der häufige Gebrauch des Gummibootes sorgte dann dafür, daß die Luft irgendwann nicht mehr drin blieb und ich nach fünf Paddelschlägen erst mal 10 mal die Pumpe bedienen mußte. Aber schon zu dieser Zeit hielt ich es nicht mehr längere Zeit an Land aus. Ein "Pouch-Faltboot" war mein nächstes Wasserfahrzeug.

Inzwischen waren wir mit unserem Dauercampwohnwagen an den Neuendorfer See umgezogen. Auf dem Wasser um mich herum begegneten mir zusehends immer mehr dieser "Brettsegler", denn auch im Osten lies sich der Trendsport "Windsurfen" nicht verhindern. 1982 war es, als jemand mit einem Kindersegel für seine Tochter an unserem See auftauchte. Ich lies mich murrend dazu überreden auch mal draufzuklettern. Schließlich ist man mit 13 ja kein Weichei mehr. Ohne Ahnung und Anleitung (zumindest hab ich nicht kapiert was ich wie und zuerst machen sollte) war ich schließlich glücklich am anderen Ende des Sees wieder an Land gespült zu werden. Das war wohl nix für mich, so die allererste Erkenntniss. Abfinden wollte ich mich freilich mit so einem Erlebnis noch lange nicht. Es waren gerade Sommerferien und von Montag bis Freitag war ich allein auf dem Zeltplatz. Warum auch immer, eines Tages schleppte ich Vater`s Surfbrett und Segel die 50 m ans Wasser runter, und 10 min später trieb ich damit ziemlich hilflos mitten auf dem See rum. Dennoch war das der sogenannte Tag X, allein deswegen weil ich es irgendwie geschafft habe nach paar Stunden durch etwas Wind im Segel wieder ungefähr dahin zu kommen wo ich losgefahren war. Die nächsten Tage wiederholte sich dieser Vorgang immer öfter. Als meine Eltern das Wochenende darauf wiederkamen trauten die Ihren Augen nicht. Es muß wohl einer der wenigen Momente gewesen sein, an denen ich meinen Vater mal glücklich gemacht habe. Da meine Mutter zu jener Zeit auch noch surfte, hatten wir auch zwei dieser Deltabretter. Eins davon wude ab sofort von mir beschlagnamt.

Im drauffolgenden Jahr hatte ich sogenannte "Jugendweihe" auch Konfirmation genannt, bei welcher man ja damals viel Geld geschenkt bekam. Für ca. 2000 Ostmark kaufte ich mir eine Delta3(Banane), das damalige Regattabrett des Ostens! Ein Neo und sogar ein echtes "Gaastra" Trapez gehörten mittlerweile auch zu meiner Ausstattung. Im 2 und 3 Jahr meiner "Surfkarriere" konnte ich dann auch gleich einige dieser Dreiecksregatten gewinnen.

1985, noch immer ständig am Neuendorfer See zugange, verirrte sich ein Tscheche mit einem seltsamen Surfbrett dort hin. Es war viel kleiner und hatte Schlaufen auf der Standfläche ??? Aha, zum besseren tragen dachte ich im ersten Moment. Nach mehrmaligen Versuchen, die der arme Kerl schwimmenderweise beendete, stand er am Strand und beobachtete uns auf unseren Bananen. Zurück am Ufer sprach er meinen Vater an, ob er nicht mal das kleine Ding da probieren möchte, da er der Meinung war das es nicht richtig funktioniert. Weiß nicht mehr genau wie es ausging, aber einen Moment später versuchte ich mein Glück damit. Erinnern kann ich mich, daß meine Hände krampfhaft die Gabel festhielten und das Brett losschoß wie ein Spaceshuttle. Meine Füße versuchten tänzelnder Weise neben den Schlaufen irgendwie Halt zu finden, worauf das Brett anfing komische Schlangellinien ins Wasser zu schlitzen. Na ja,... Schulterzuckend und rätselnd standen wir dann irgendwann wieder am Ufer und bestaunten dieses "Funboard". ...ja so nannte er sein Surfbrett. Ein Tag später war der Tscheche weg. Aber unabsichtlich hatte er bei uns etwas hinterlassen. Er, oder besser gesagt sein komisches kleines gleitendes "Funboard" hat uns angesteckt mit einem Virus, eben jenen Gleitvirus den man dann ein Leben lang mit sich rumschleppt. ....doch noch konnte er sich nicht weiter in mir breit machen.

Wer weiterlesen möchte kann dies gern hier tun: http://www.more-wind-surfing.de/timestory.htm

Gr DrM.

ujuice
29.01.2006, 17:39
Hi,super Story,klasse erzählt und echt interessant.
Super auch die Homepage...
Uwe

pascal
29.01.2006, 18:18
Ja echt super Doktor nette Gechichte,schön geschrieben!
Gruss pascal

flo am start
29.01.2006, 22:23
Klasse geschrieben, da hat aber jemand viel Zeit gehabt..^^ jaja, diese Sucht, aber was soll man machen ;)
Flo

pollux68
02.02.2006, 11:58
Hi Thommy!

Nette Geschichte übers Surfen und Dich! Hab mir mal richtig Zeit genommen, viel über dich zu erfahren und hier und auf deiner HP so ziemlich alles gelesen... bis 2006! Und ein Foto von mir am Pier hast ja auch drauf...nett! :)
Wünsch dir weiterhin viel Erfolg im Leben und beim Er- und Ausleben deiner Surfsucht ... und freu mich, auch gelegentlich mal was von dir zu hören bzw. zu lesen!;) :D Bei Gelegenheit trinken wir natürlich auch wieder das eine oder andere Bierchen zusammen.:rolleyes: