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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine Story - erste Rettung seit 25 Jahren


p51flier
21.07.2009, 08:42
Samstag 18.7.09, Pier, 8 Uhr, Südwind (!), perfekt fürs 7,2er und das Slalombrett.....raus und aufkreuzen bis zur alten Grenze mit den Fahnen - super - da schaltet mir doch irgendwer den Wind ab....plötzlich leichter Fallwind aus Westen, also raufkreuzen nach Norden - der Wind dreht schnell von West auf Nord - Wende und zurück zum Pier - doch jetzt schaltet wieder irgendjemand wirklich den Wind ein, aber mit Turbo, und das innerhalb von Sekunden. An ein Einhängen ins Trapez oder in die Fußschlaufen rein ist nicht mehr zu denken. Segel minimal dichtholen, vorne drücken, hinten ziehen - die 200 m zum Ufer werde ich doch wohl noch schaffen - IRRTUM. Irgendwann machts dann doch Platsch und der Wasserstart ist absolut unmöglich. OK, die Jungs vom Pier wissen wo ich bin, das Wasser ist warm, ich habe eine Schwimmweste und ich bin gottseidank sehr fit. Also beschließe ich, mich darauf zu konzentrieren, daß mein Material nicht wegfliegt. Ich treibe fast nicht ab, da eine starke Südströmung im See herrscht. Ich erwartete niemals, daß das Boot vom Pier bei diesen Bedingungen rausfahren würde. Fliegendes Wasser und Wellen bis über 1,5m - zu gefährlich, dachte ich. Doch dann taucht das Boot mit dem Stationsleiter Axel tatsächlich auf. Ich dachte mir, der bringt sich um. Also ich und das Board rein ins Boot. Jetzt das Segel - no way!!! Das holen wir später.....ich schreibe das Rigg gedanklich schon ab. Als ich so im Boot sitze und mein Brett niederhalte kann ich in den Wellentälern immer noch zu den Wellenkämmen am Gardasee hinaufschauen......
Zurück an Land nimmt der Wind nun tatsächlich etwas ab, d. h. es gibt nun zumindest kein Flugwasser mehr. Nach einer halben Stunde fahren Axel und ich raus zum Rigg-Suchen. Und tatsächlich, wir finden es. Durch die immer noch starke Strömung ist das Rigg nur sehr wenig abgetrieben. Aber ein Aufnehmen des Riggs ist immer noch vollkommen unmöglich. Also rein ins Wasser und abriggen. Ich war erstaunt wie einfach das ging, lediglich die Schothornklemme machte etwas Probleme und die Mastverlängerung soff ab. Das Zusammenrollen des Segels im Wasser war die einfachste Aufgabe.
Zurück an Land konnten Axel und ich schon wieder lachen. Als ich Axel fragte warum er denn so früh bei diesen heftigsten Bedingungen rausfuhr und nicht noch einige Minuten wartete, meinte er nur, daß er einige Blitze im Norden gesehen hätte und das "nicht so gut währe".....wer Axel kennt, so ist er eben :) Er hilft jedem zu jeder Zeit.

Conclusio: diesmal war das Aufkreuzen, das ja immer Sicherheit bringt, leider genau das Verkehrte. Die Halbwind-Surfer hatten keine Probleme noch rechtzeitig ans Ufer zu kommen. Mir fehlte vielleicht eine lächerliche Minute.

Wenn aber das Wasser kalt, mein Neo zu dünn, die Strömung in Windrichtung stark ist und ich keine Top-Kondition habe - tja, dann könnte es sicher eng werden bzw. zumindest sehr sehr anstrengend sein. Und ganz wichtig: das Team vom Pierwindsurf wußte immer wo ich war.

Am Nachmittag, immer noch bei Nordwind, gings wieder raus auf den See mit dem 5,0er als währe nichts gewesen (na ja, fast nichts.....).

Am Abend wurde ich natürlich vom Hotelpersonal richtig aufgezogen, von wegen ob ich mein Segel wiedergefunden habe etc.....

Sepp

SimonB.
21.07.2009, 09:38
Hallo, da sieht man mal wieder, auch wenn man gut surfen kann, kann man schnell in Schwierigkeiten kommen. Und wenn da dann nicht so ein Seaguard (heißt doch so oder??) wäre........

p51flier
21.07.2009, 09:50
Tja, wenn die Natur will, dann sehen wir alle wie kleine Würstchen aus....:rolleyes:

brewcrew
21.07.2009, 10:44
und weils so schön zum thema passt...heute auf SSR

http://www.stehsegelrevue.com/pod/20090720231510/large_pic4.jpg

...war aber ein wenig photoshop mit im Spiel...

Suendbad
21.07.2009, 18:09
Ich hatte soetwas ähnliches mal am Comersee, dort habe ich vom Zeltnachbarn wegen Windmangel seinen antiken Flugzeugträger mit 3Ecksantrieb ausgeliehen und wollte, nur mit shorts bekleidet, zum sonnenanbeten etwas auf den See raus fahren, immerhin wars schon nach 3 und dass die Thermik an diesem Tag noch was wird eher unwahrscheinlich.
Kaum war ich 500 Meter draussen und hatte das Segel grad zum sonnen abgelegt, kam der Nordwind mit Windstärke 7 über den Bergkamm.
Innerhalb von ein paar Minuten fiel die Wassertemperatur durch den starken Fallwind um 10 Grad und es stand ein komischer Spray ca. 60 cm über der Wasseroberfläche ... und da stand ich dann, bibbernd mit den nassen shorts, konnte nicht wasserstarten und hatte kein Trapez dabei. Nach ewigem Kampf (kam mir zumindest so vor) konnte ich mich dank der Startshot dann ans Ufer retten und hab den ollen Krempel nochmal eine halbe Stunde durchs brusttiefe Wasser zurück zum Campingplatz geschleppt.
Ich hatte Glueck mich mit einer leichten Unterkühlung total entkräftet und der Erkenntnis niemals wieder ohne (ganzen) Anzug und Trapez, selbst bei spiegelglatter See rauszufahren, ans Ufer retten zu koennen, ein zweites mal würde ich mich auf dieses Glueck aber sicherlich nicht verlassen.

Grüsse