SURF-Forum > Szene > Meine Surfstory

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  #1  
Alt 31.01.2008, 15:34
Ekke Ekke ist offline
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Gegen halb Vier am Freitag Morgen im Wonnemonat September wurde mir klar, dass in nicht ganz 4 Stunden ein weiteres mal die Tour an die Ostsee anstehen würde. Die Windvorhersagen wurden in der Zeit von Sonntag bis einschließlich Donnerstag Abend im regelmäßigen Intervall zweimal täglich anhand 5 bekannter Vorhersagemodelle überprüft, und ausnahmsweise änderte sich die Woche über nicht einmal die Prognose von 7- 8 Bft. Nordost. Man kann sagen, durchaus ein erfreulicher Zustand. Alles wurde wie immer akribisch vorbereitet, Ort und Zeitpunkt der Abfahrt festgelegt, eine gewisse innerliche Nervosität baute sich auf.

Gegen halb Vier schlummerte ich allerdings nicht wie gewohnt im Bett und wachte auch nicht vor Nervosität auf, was mitunter auch mal vorkommt und nicht immer mit feuchten Träumen zu tun hat, sondern fand mich schon in der 6 Stunde in einer Kneipe wieder, ohne Frau, dafür mit meinem Mitbewohner, mehr oder bekannten schrägen Gestalten und jeder Menge Alkohol, von einer charaktervollen Brasilianerin in netten Cocktails ausgeschenkt (die mit der Zeit auch immer hübscher aussah, so ist das mit Alkohol und Frauen). In solchen Momenten wünscht man sich mehr Disziplin und mit Blick auf die nächsten Stunden mehr Durchhaltevermögen, was einem die schwankenden Bewegungen, lallenden Sätze und Verständnisschwierigkeiten in der Kommunikation erahnen lassen. Die Erinnerungen reißen hier leider ab.

Jedenfalls war es dann so 7Uhr am Freitag Morgen und das Handy klingelte. Am anderen Ende war ein Freund. Tobi, der mich eigentlich um 07.30Uhr abholen wollte, stellte zunächst eine außergewöhnliche Frage (O- Ton): Wie heißt die australische Band, die dieses eine Lied in der Wüste gemacht hat? Na Du weißt schon …are Burning und so?.... Nach einer längeren Erklärung, warum er sich die Nacht über mit dieser Frage beschäftigt hat (irgendwas mit seiner Freundin) und es nun um 7Uhr unbedingt wissen müsse, versuchte ich, ihm meinen Zustand näher zu bringen und meine Unfähigkeit, solch komplizierten Fragestellungen zu beantworten. Er erwies sich als verständnisvoller Zuhörer und räumte mir ein paar Minuten mehr Zeit ein, um am vereinbarten Treffpunkt zu sein (vor meiner Haustür!), an dieser Stelle noch mal vielen Dank Tobi.

Dann fuhren wir los. Tobi nüchtern aber aufgrund seiner komplizierten nächtlichen Fragestellungen völlig übermüdet und ich stinkend, mehr oder weniger nüchtern und ebenfalls übermüdet. Die Fahrt an den Spot (Pelzerhaken) dauerte so knapp 2 Stunden, allein unterbrochen von geschätzten 100 weitere Fragen seitens Tobi, einem längeren Kloaufenthalt meinerseits und verzweifelten Versuchen, in einem T4 möglichst wenig zu stinken.

Am Spot angekommen, verhältnismäßig Früh, zu Früh, weil wir fast die Ersten waren (Andere nahmen sich vielleicht mehr Zeit zum Ausnüchtern?), festgestellt, dass es unter Berücksichtigung der Vorhersagen und der Einrücke am Wasser durchaus etwas anspruchsvoller werden könnte. Die Neustädter Bucht führte ziemliches Hochwasser, starke Strömungen, was man gut an der Bewegungsgeschwindigkeit der diversen Treibgute im Wasser erkennen konnte und sogar eine Welle (die gibt es da wirklich! manchmal). Herrlich dachte ich. Vor ein paar Wochen sammelte ich meine ersten Erfahrungen im Umgang mit „moderater“ Welle in Heiligenhafen und Püttsee, letzter Spot ist nicht gerade als Maui des Nordostens bekannt. Hinzukommt, dass meinem persönlichen Naturell eher das Flachwasser entspricht, was nicht an meiner zu vermutenden mangelnden Fitness im Hinblick auf zu viele Kneipenbesuche liegt, sonder am Spaß, Manöver zu probieren. Dann auch noch mein neues „erstes“ 90l Waveboard, was ich bis dato noch nie hatte ausprobieren können. Außerdem war es gefühlt scheiße Kalt. Okay, Tobi ging voran und gab den Takt des Aufriggens vor, die Segelwahl viel auf 4.7er, trotz sehr böigem Wind, wie mir Tobi gegen Wind und nach wiederholter Nachfrage entgegen schrie. In meinem Zustand hätte er aber auch einfach weiter Fragen über australische Bands stellen können, ich hätte es nicht verstanden.

Nach einer Weile waren wir fertig, also mit dem Aufriggen, und schritten ans Wasser. Das war diesmal in Pelzerhaken ziemlich leicht, da der Wasserstand den sonstigen Strandabschnitt überflutete und so den Weg verkürzte. Weniger leicht war allerdings alles danach. Tobi, als ehemaliger Surflehrer geübt, fand schnell über den Pelzerhakener Shorebreak. Beeindruckend, für mich, so könnte das also aussehen. Zum Einstieg gab es zwei Möglichkeiten. Einen links und einen rechts vom neuen Parkplatz, Luftlinie so in etwa 250m auseinander. Wir hatten uns zum linken Einstieg begeben, dort waren dann doch schon einige vor uns auf dem Wasser. Während Tobi Gas gab und geschickt seinen ersten Loop aufs Wasser zauberte, machte ich mir noch ernsthafte Gedanken darüber, ob sich meine physische und psychische Gesamtverfassung mit dem vereinbaren lies, was vor mir lag. Nach einer Zeit schleppte ich dann mein Material ins Wasser. Mir war Pelzerhaken bisher meist als Stehrevier bekannt, nach ein paar Metern war damit aber nichts mehr, sehr zu meinem Bedauern. Nicht einen Fuß bekam ich aufs Board, allerdings bekam ich eine Europalette an meinen Fuß. Die schwamm da einfach so rum. Der Kampf mit den Elementen dauerte bei mir ca. eine halbe Stunde. Das entspricht der Strecke von 250m in diesem Fall, da ich nach der Europalette, dem vorbeimanövrieren an Steinen, die nicht unbedingt ersichtlich waren, vielen Schwimmeinlagen und frühen Erschöpfungszuständen endlich am 2ten Einstieg bzw. Ausstieg ankam.

Nachdem mein Material unversehrt angelandet war schleppte ich noch ein paar Meter in Richtung der „Surf“- Touristen am Einstieg. Dort standen so 5- 6 Leute rum, einer mit einem Teleobjektiv in der Dimension eines Totschlägers, andere mit Mützen auf dem Kopf auf einem Spaziergang. Angekommen, sprang mir ein Herr mittleren Alters entgegen, klopfte mit auf die Schulter und teilte mir mit, wie beeindruckend er meine Leistung fand. Er selber habe ja früher auch mal gesurft, allerdings bei den Bedingungen so eine lange Zeit auf dem Wasser zu bleiben, dass finde er schon Klasse. Zumal ich ja seiner Ansicht nach nicht einmal ins Wasser gefallen bin. Dabei grinst er die ganze Zeit so komisch, er hätte eigentlich nur noch mit dem Schwanz wedeln müssen. Man kann sich vorstellen wie irritiert ich war. Mein erster Aufklärungsversuch bestand darin, ihn für seine wohlwollenden Worte mir gegenüber zu beglückwünschen (hört man ja nicht alle Tage!). Dies ermunterte ihn jedoch, mit seiner Nummer weiter zu machen. Da allerdings bekam mich das ungute Gefühl, es hier mit einem Dummschwätzer zu tun zu haben, der mich vorführen wollte und auf nix Gutes aus ist (tatsächlich schwamm ich ja im Uferbereich eine Zeit der Europalette hinterher). Entsprechend führte mein zweiter Aufklärungsversuch ihm Gegenüber dazu, dass ich ihm mitteilte, er solle doch bitte seine Schnauze halten und sich verpissen oder es würde was setzen, verbunden mit der üblichen Frage ob er sonst irgendwelche Probleme hätte. Hier nun wirkter er leicht irritiert und er wedelte auch nicht mehr mit seinem Schwanz, tatsächlich stellte er sich ein paar Meter weg (übrigens an dieser Stelle vielen Dank an das Mädel das mir kurz nach der Szene eine Kippe gesponsert hat! Sie hat durch ihre herzliche Art viel dazu beigetragen, dass die Situation erträglicher wurde).

5 Minuten später dann, nach der Zigarette, der Kerl war immer noch in meiner Nähe, kam er dann wieder auf mich zu. Diesmal fragte er mich, ob es denn sein kann, dass ich nicht der Surfer gewesen bin, den er vielleicht im Zuge seiner Lobeshymnen meinte. Herzlichen Glückwunsch! Hier hat jemand verstanden. Wir klärten das Missverständnis dann noch schnell auf und waren beide wieder einigermaßen ausgeglichen. Derweil war Tobi immer noch auf dem Wasser unterwegs, allerdings mehr im Wasser, was sich auch am Höheverlust (wer den Spot kennt, irgendwann war er dann schon rechts hinter der Sandbank an der Tonne) zeigte und wohl mit seiner kurzen Nacht zu tun hatte. Derweil musste ich auch schon wieder aufs Klo.

Was der restliche Tag am Meer noch brachte? Neben 2 Stunden im Neopren am Strand stehen und anderen dabei zuzusehen, wie sie Spaß hatten, eine weitere Stunden auf dem Parkplatz, unterbrochen von einer Unterhaltung mit einem Surflehrer vom Gardasee, der als Streetfighter verkleidet mit Helm nun einen „fetten“ Surftag mal wieder in Deutschland verbrachte, einer Surferin, die auf die Aussage, dass mit den Wintermonaten die Surftage aufgrund der Kälte weniger werden doch glatt antwortete „ ach, bei einem Grad geh ich doch immer aufs Wasser“ (sie war ca. 165 cm groß, zierlich und verwunderte mich in dem Moment ziemlich) und eine Rückfahrt, auf der Tobi es doch tatsächlich schaffte, als übernächtigter Fahrer nicht einzuschlafen, mich mit seinen Reden weiter wach zu halten und dabei noch konkrete Theorien über Surfvorbereitungsphasen im Winter anzustellen.
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  #2  
Alt 31.01.2008, 17:56
Smile4surf Smile4surf ist offline
stehsegler
 
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hhm.. das könnte ja z.b. caro gewesen sein
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  #3  
Alt 31.01.2008, 21:24
rubia rubia ist offline
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was du so von mir denkst...nenene...
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  #4  
Alt 31.01.2008, 22:31
surfmariechen surfmariechen ist offline
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ey eke,
geile nummer. das tobi auch geschwommen ist hat er mir gar nicht erzählt
gruß vom dave
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  #5  
Alt 31.01.2008, 23:29
Ekke Ekke ist offline
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Standard .....

Zitat:
Zitat von surfmariechen
ey eke,
geile nummer. das tobi auch geschwommen ist hat er mir gar nicht erzählt
gruß vom dave

..ja so ist er, wahrscheinlich war es eine 3 m Welle die ihn umgehauen hat
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  #6  
Alt 01.02.2008, 08:02
Benutzerbild von MarcSharck
MarcSharck MarcSharck ist offline
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Beiträge: 989
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das ist wirklich lustig!


ähnliches ist nem freund letztes jahr im sommer mal passiert aber der hatte 3 stunden autofahrt um auszunüchtern und sich zu erholen
__________________
Wer ist eigentlich dieser Lan und wieso macht er soviele Partys?

"... and live your life the way you love..." Thurston Moore-Psychic Hearts
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  #7  
Alt 01.02.2008, 08:35
Benutzerbild von blinki-bill
blinki-bill blinki-bill ist offline
Schwachwindspeeder
 
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Beiträge: 7.563
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Nette Story! Weiter so.

PS:
Die Band heißt Midnight Oil
__________________
check: www.surfshop-muenster.de
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  #8  
Alt 01.02.2008, 10:08
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Amerigo Amerigo ist offline
Gaastronaut und Rocketeer
 
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http://www.lyricsfreak.com/m/midnigh..._20093267.html

Out where the river broke
The bloodwood and the desert oak
Holden wrecks and boiling diesels
Steam in forty five degrees

The time has come
To say fairs fair
To pay the rent
To pay our share
The time has come
A facts a fact
It belongs to them
Lets give it back

How can we dance when our earth is turning
How do we sleep when our beds are burning

Four wheels scare the cockatoos
From kintore east to yuendemu
The western desert lives and breathes
In forty five degrees

(live - on scream in blue
The time has come
A facts a fact
It belongs to us all
Lets give it back)

Danke für die Story!!!
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  #9  
Alt 01.02.2008, 13:26
Ekke Ekke ist offline
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Standard ....

...ja, besonders der Refrain ist mir an dem Tag immer wieder durch den Kopf gegangen
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  #10  
Alt 01.02.2008, 16:01
Benutzerbild von Lünesurfer
Lünesurfer Lünesurfer ist offline
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Daumen hoch

hey eike
ich lach mich wech, du alter lago trixer.
solltest mehr zeit mit dem wasserstart verbringen, als hier deine fähigkeiten als schriftsteller zu beweisen.
vielleicht das nächste buch nicht über Soziale Marketingstrategien (sorry für das nicht korekte wieder geben des titels, habe bis heute keine signiertes Exemplar erhalten)
ne ne hut ab, hättest den tag nicht besser beschreiben können.
weiter so und die nächsten geschichten kommen bestimmt, wenn ich auf die letzten 9 wochenenden mit dir zurück blicke.
sehr geil.
schöne grüße bis heute abend
jost
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  #11  
Alt 01.02.2008, 16:54
Benutzerbild von Amerigo
Amerigo Amerigo ist offline
Gaastronaut und Rocketeer
 
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Zürich
Beiträge: 1.438
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Standard

Zitat:
Zitat von Lünesurfer
weiter so und die nächsten geschichten kommen bestimmt, wenn ich auf die letzten 9 wochenenden mit dir zurück blicke.
sehr geil.
Was für welche Geschichten habt ihr denn da laufen zusammen?
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  #12  
Alt 01.02.2008, 18:09
Ekke Ekke ist offline
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Ort: Lüneburg
Beiträge: 49
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Standard ....

...das schreib ich dann bestimmt hier rein
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  #13  
Alt 04.02.2008, 09:25
BadHunter BadHunter ist offline
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Beiträge: 958
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Zitat:
Zitat von Smile4surf
hhm.. das könnte ja z.b. caro gewesen sein

War auch sofort mein erster Gedanke...

Nette Story übrigens!
Ich hab den "Strand" einen Tag später gesehen und gehört, wie heftig es war.... Ich war an dem Tag in Niendorf auf dem Wasser, habe sogar einen (1!) Schlag geschafft...

Gruß, Jens
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  #14  
Alt 04.02.2008, 19:35
rubia rubia ist offline
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was ihr nur immer von mir denkt ..nenene...
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